Entstehung eines Selfpublisher Buches

Der Weg der ein Buch geht, bevor es im Handel erhältlich ist, ist sehr lang. Meist dauert es mehrere Monate wenn nicht sogar Jahre von der Idee bis zur Veröffentlichung. Ein Buch, das im Selfpublishing erscheint, benötigt meist nicht ganz so viel Zeit. Da es durch weniger Hände geht, als ein Buch das über einen Verlag veröffentlich wird. Die einzelnen Schritte die das Buch durchläuft sind dennoch dieselben.

Planung/ Plotten: Erst einmal muss man eine Idee haben. Sollte die Idee vorhanden sein geht es ans Plotten. Der Plot ist eine kurze Zusammenfassung über das ganze Buch. Manche Autoren planen die einzelnen Szenen, andere teilen das Buch gleich in einzelne Kapitel ein und planen diese grob. In dieser Phase entstehen die Charaktere mit ihrem Aussehen und ihren Charaktereigenschaften. Ebenfalls entsteht hier ein grober Zeitplan, wann was passieren soll. Während des Schreibens kann dieser auch mal über die Haufen geworfen werden, aber der Überblick über das Buch bleibt.

Es gibt aber immer noch viele Autoren die nicht Plotten und lieber direkt losschreiben. Das geht aber nur für Selfpublisher, da ein Verlag schon wissen will um was es in dem Buch geht bevor er es „kauft“.

Schreiben: Der nächste Schritt ist dann, das Buch wird geschrieben. Je nach Autor und Dicke des Buches dauert diese Zeit unterschiedlich lang. Es gibt Autoren die schreiben jahrelang an einem Buch bis es perfekt für sie ist. Ich kenne aber auch eine Autorin, die sich eine Woche lang „einschließt“ und in dieser Zeit ein ganzes Buch schreibt. Im Durschnitt rechnet man für Plotten, Schreiben und leichtes Überarbeiten drei Monate ein. Die drei Monate beziehen sich auf einen Autor, der im Durchschnitt 2000 Wörter am Tag schreibt.

Selbstlektorat: Direkt ans Schreiben schließt sich das Selbstlektorat, die Überarbeitung an. Oft fließen die beiden Punkte ineinander über. Man schreibt eine Szene und überarbeitet sie dann schon oft sofort. Wenn das ganze Buch fertig geschrieben ist liest der Autor das Buch aber noch oft durch und bearbeitet es auch, bevor es dann ans Lektorat geht.

Lektorat: Das Lektorat ist für den Inhalt nochmal sehr wichtig. Im Lektorat wird der Handlungsverlauf genau unter die Lupe genommen. Passt die Handlung mit den Ergebnissen zusammen, fehlt eine Szene oder befindet sich ein Inhaltsfehler im Buch. Wechseln Charaktere plötzlich die Augenfarbe oder die Größe. Für all diese Sachen ist das Lektorat da. Ebenso wird das Buch auch schon leicht sprachlich verändert. Wortwiederholungen oder Lieblingswörter werden zum Beispiel ersetzt. Oft kann es sein, dass ein Lektoratsdurchgang  nicht reicht, das Buch wir dann zwei oder drei Mal zwischen Lektor und Autor hin und her geschickt, bis alles passt.

Korrektorat: Als nächstes folgt dann das Korrektorat. Bisher ist das Buch noch voller Rechtschreibfehler und Grammatikfehler, die jetzt erst ausgebessert werden. Als Autor eines Textes überliest man die eigenen Fehler irgendwann und dann fallen sie einem auch nicht mehr auf. Das Korrektorat ist somit ein wichtiger Bestandteil des Buches. Gerade für den Leser ist es wichtig, da Rechtschreibfehler den Lesefluss unterbrechen und von der Geschichte ablenken. Ein Durchgang ist beim Korrektorat oft ausreichend um fast alle Fehler zu finden.

Viele Autoren arbeiten auch mit Testlesern zusammen, die am Schluss das Buch bekommen und es vor Veröffentlichung lesen dürfen. So werden meist noch ein paar Fehler gefunden, die dann noch ins Buch eingearbeitet werden.

Buchsatz: Jetzt fehlt dem Buch nur noch das Design und es ist fertig. Bisher ist das Buch eine Datei ohne Absätze und ohne Einzugsebenen. Das Lesen einer solchen Datei ist sehr anstrengend. Mit dem Buchsatz möchte man einen natürlichen Lesefluss erreichen. Das Ziel eines guten Buchsatzes ist es, dass er beim Lesen nicht auffällt. Dazu gehört eine Schriftart mit passender Größe, die sich je nach Genre schon sehr unterscheiden kann.

Ebenfalls wird an diesem Punkt überlegt ob man Illustrationen für sein Buch möchte und wenn ja wo diese im Buch eingefügt werden. Je nach Genre kann sich der Anteil an Bildern sehr groß unterscheiden.

Cover: Das Cover eines Buches ist meist das Erste das ein potenzieller Leser sieht. Allein mit dem Cover kann man Leser gewinnen oder abschrecken. Es heißt zwar oft „don´t judge a book by its cover“, doch unterbewusst kann man das nicht einfach ausschalten. Ein professionell erstelltes Cover ist sehr wichtig für die Verkaufszahlen. Ein eigenes Cover zu erstellen ist sehr schwierig und erfordert viel Wissen und auch Erfahrung was gerade angesagt ist. Wichtig ist, dass das Cover zum Inhalt und zum Genre passt. Denn durch das Cover werden Leser angelockt und da soll das Cover schon einen ersten Eindruck  hinterlassen, der zum Buch passt. Hinterher sollen Leser sagen, dass der Einband perfekt die Geschichte wiederspiegelt und die Gefühle des Buches aufgreift. Ein Krimi oder Thriller bekommt wahrscheinlich kein rosa, mädchenhaftes Cover, das passt dann eher für einen Liebesroman.

Buchgestaltung: Nachdem man mit der Außengestaltung fertig ist, ist die Innengestaltung des Buches dran. Heutzutage ist das ein wichtiger Punkt geworden, der die Kaufentscheidung sehr prägt. Es entstehen Charakterkarten der wichtigsten Personen, die Kapitelüberschriften werden verziert und die „Innenklappen“ des Buches werden erstellt. Oft sieht man bei Fantasybüchern an dieser Stelle eine Karte der Welt. All diese kleinen Sachen werden individuell erstellt und kosten Geld. Je nach Aufwand und Anzahl der Illustrationen kann es richtig teuer werden.

E-Book/ Taschenbuch/ Hardcover: Jetzt steht das ganze Gerüst des Buches. Es fehlt nur noch die Verkleidung. Man muss entscheiden wie das Buch erscheinen soll. E-Book, Taschenbuch, Hardcover oder sogar als Hörbuch. Ohne E-Book kommt heute fast kein Autor mehr aus, ein Hörbuch entsteht meist nur in Zusammenarbeit mit einem Hörbuchverlag und nicht im Selbstverlag. Dann gibt es noch die Entscheidung zwischen Taschenbuch und/ oder Hardcover. Das ist gleichzeitig eine Preisfrage. Ein Taschenbuch ist in der Herstellung viel billiger, dadurch kann es auch deutlich günstiger verkauft werden als ein Hardcover. Ein Hardcover kann wiederum hochwertiger aussehen und auch schöner veredelt werden. Eine bekannte deutsche Autorin verkauft ihre E-Books nur über Amazon, wegen des Gewinns. Sie möchte aber allen Lesern eine schöne Lesezeit bieten. Deshalb veröffentlicht sie ihre Bücher gleichzeitig auch als edle Hardcoverausgabe in allen Shops. [1]

Veröffentlichung: Das Buch wird jetzt gedruckt und kann dann veröffentlicht werden. Je nach Anbieter, den man gewählt hat, werden die Bücher in verschiedenen Shops verteilt. Je verkauftem Buch erhält der Autor eine bestimmte Marge. Auf bestimmten Internetseiten findet man einen Preiskalkulator die einem errechnen wie viel Geld man pro Buch erhält, je nach Verkaufspreis.

Gerade für kleine Selfpublisher gibt es gute Print-on-Demand Verfahren, die auch sehr ökologisch sind, da der Autor nicht in Vorkasse gehen muss. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt beim Druck eine immer größere Rolle. Ein großer Anbieter verzichtet seit Neustem auf eine Schutzfolie um seine Bücher. Auch das ist ein Kriterium bei der Wahl des Anbieter und der Druckerei.

Schon bevor das Buch erscheint sollte Marketing betrieben werden, sonst kann das Buch leicht bei all den Veröffentlichungen unter gehen und das ist der nächste Punkt.

Vermarktung: Jetzt fehlt noch mit der größte Punkt, neben dem Schreiben, das Vermarkten des Buches. Ohne ein gutes Marketing versinkt das Buch in den Tiefen aller neuen Veröffentlichungen und niemand wird auf das Buch aufmerksam. Das möchte man als Autor natürlich nicht. Das kann aber, gerade bei neuen Autoren, ganz schnell passieren.

Deshalb ist es wichtig schon vor der Veröffentlichung des Buches präsent zu sein. Seit ein paar Jahren ist die Instagram Community sehr mit Büchern verbunden. Durch Bookstagram können Bücher bekannt werden, wenn man die „richtigen“ Blogger ins Boot holt. Als Autor von Büchern die als Hobby gelesen werden, sollte man heutzutage eine Instagramseite haben. Die Interaktion zwischen Leser und Autor ist durch das Internet immer wichtig geworden. Es geht dem Leser nicht mehr nur um das Buch sondern oft auch um den Menschen hinter dem Buch, wer hat das Buch geschrieben?

Über die Sozialen Medien kann sich der Autor mit seiner Zielgruppe vernetzen und so auch neue Leser erreichen. Gerade andere Autoren findet man auf diesem Weg, mit denen man sich auch verknüpfen kann. Gemeinsam schreibt es sich oft besser und auf Instagram gibt es oft Schreibgruppen die sich gemeinsam pushen. Befreundete Autoren teilen auch Neuerscheinungen und Buchinfos von anderen Autoren. So wird die Zielgruppe noch besser angesprochen und man gewinnt neue Leser.

Durch verschiedene Marketingmethoden sollen die Leser „angelockt“ werden. Ein Coverreveal, der neue Klappentext, Protagonisten werden vorgestellt, kleine Textschnipsel geteilt, durch all diese Maßnahmen soll die Neugier der Leser geweckt werden. Am besten sollen sie das Buch vorbestellen oder das Buch direkt am Veröffentlichungsdatum kaufen. So erlangt das Buch einen guten Verkaufsrang und wird bei den Shops besser und höher gelistet was gleichzeitig mehr Käufer bedeutet.

Nach der Veröffentlichung kann in den Sozialen Medien auch viel passieren. Rezensionen werden geteilt, wenn Autoren diese kommentieren dann spricht ein Blogger gleich noch lieber über die Bücher wenn dadurch ein Austausch stattfindet.

Während Corona sind Events ausgefallen, das haben sich die Sozialen Medien zu Gute gemacht. Viele Autoren halten jetzt live Lesungen über Instagram ab und erreichen dadurch viele Leser, die sie bei einer „normalen“ Lesung nicht erreicht hätten.

Eine weitere Marketingmethode ist eine Leserunde. Bei einer Leserunde wird das Buch in kleine Abschnitte eingeteilt. Diese Abschnitte werden dann in einem gewissen Zeitraum gelesen und über die Sozialen Medien wird dann darüber diskutiert. Zum Abschluss schreiben die Leser dann meist eine Rezension zum Buch, was dem Buch wieder mehr Sicht verschafft. Mehr Sicht bedeutet gleichzeitig wieder mehr Verkäufe.

Diese Leserunden können über die Sozialen Medien laufen oder über spezielle Social-Reading-Plattformen. Zwei der größten Plattformen innerhalb Deutschland sind Lovelybooks und wasliestdu. Über diese Plattformen werden Bücher verlost, die der Autor oder Verlag zur Verfügung stellt. Daraufhin werden die Bücher gelesen, über sie wird diskutiert und am Ende auch eine Rezension geschrieben, die online verbreitet wird.

Durch die Bereitstellung der Bücher können für den Autor aber Kosten entstehen, er bekommt aber auch etwas im Gegenzug dafür.

Neben den Sozialen Medien ist eine eigene Website aber genauso wichtig. Für den Leser sollte man online zu finden sein, auch ohne Instagram und Co. Auf einer Website sollte eine Autorenvita verfügbar sein. Außerdem eine Liste mit allen veröffentlichten Büchern und auf was sich die Leser als nächstes freuen können. Es muss gar keine professionell erstellte Seite sein, eine kleine selbstgebastelte reicht oft aus und genügt um das Interesse der Leser zu decken. Als Autor der E-Books veröffentlicht benötigt man ein gültiges Impressum, welches man auch in seine Webseite einbinden sollte.[2]

Jetzt ist das Buch überall angekommen und mit dem richtigen Marketing sind hoffentlich auch viele Leser darauf aufmerksam geworden.

Diesen Weg geht jedes professionell erstellte Buch, egal ob Selfpublisher- oder Verlagsbuch.

Einen kleinen Unterschied gibt es noch. Das Verlagsbuch muss erst noch irgendwie zum Verlag kommen. Meist läuft das über eine Buchagentur. Die Agentin bewirbt sich mit dem Plot und einer kleinen Leseprobe bei verschiedenen Verlagen, die das Genre auch anbieten. Bis hier eine Rückmeldung kommt dauert es auch eine Weile und oft ist auch nicht der erste Verlag gleich vom Buch überzeugt und es benötigt mehrere Anläufe bis es passt. Natürlich will die Agentin dann auch bezahlt werden und oft hängt das auch von der Gage des Autors ab.

Den größten Unterschied zwischen Selfpublisher, Kleinverlag und Verlag ist die Zeit. Während ein Verlagsbuch für alle diese Punkte mindestens ein bis zwei Jahre benötigt, dauert das veröffentlichen als Selfpublisher oft nur wenige Monate. Bei der Wahl der Veröffentlichung sollte der Zeitfaktor deshalb auch bedacht werden.

Hättest du gedacht, dass ein Buch so viele Schritte durchlaufen muss?


[1] https://blog.bod.de/wissen/wie-entsteht-ein-buch-teil-1/ aufgerufen am 15.09.2021 um 09:00 Uhr

[2] https://blog.bod.de/veroeffentlichen/wie-entsteht-ein-buch-teil-2/ aufgerufen am 15.09.2021 um 09:00 Uhr

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